Das Mädchen aus der Feenwelt
Der Bauer als Millionär


Ferdinand Raimund

Brüderlein fein



Jugend. Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Mußt mir ja nicht böse sein!
Scheint die Sonne noch so schön,
Einmal muß sie untergehn.
Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Mußt nicht böse sein.

Wurzel. Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Wirst doch nicht so kindisch sein!
Gib zehntausend Taler dir
Alle Jahr, bleibst du bei mir.

Jugend. Nein, nein, nein, nein!
Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Sag mir nur, was fällt dir ein?
Geld kann vieles in der Welt,
Jugend kauft man nicht ums Geld.
Drum, Brüderlein fein, Brüderlein fein,
's muß geschieden sein.

Jugend.Brüderlein, bald, Brüderlein, bald
Flieh ich fort von dir.

Wurzel (gleichzeitig). Brüderlein, halt, Brüderlein, halt,
Geh nur nicht von mir.

(Unter dem Ritornell tanzt die Jugend und ihr Gefolge.)

Jugend. Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Wirst mir wohl recht gram jetzt sein?
Hast für mich wohl keinen Sinn,
Wenn ich nicht mehr bei dir bin?
Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Mußt nicht gram mir sein!

Wurzel. Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Du wirst doch ein Spitzbub sein!
Willst du nicht mit mir bestehn,
Nun, so kannst zum Teixel gehn!

Jugend. Nein, nein, nein, nein!
Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Zärtlich muß geschieden sein.
Denk manchmal an mich zurück,
Schimpf nicht auf der Jugend Glück!
Drum, Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Schlag zum Abschied ein!

Beide. Brüderlein fein, Brüderlein fein,
Schlag zum Abschied ein!

(Umarmen sich)


Ferdinand Raimund als Aschenmann
Bauer als Millionär, An Oschn
Aschenmann Lithographie (groß big ~500kB)

Duetto Noten(groß big ~500kB)

Duetto Textmanuskript ~128kB

Grillparzer: Man hat oft bedauert, daß es Raimund,
dem beliebten Volksdichter, an Bildung fehle;
wenn diese noch dazu gekommen wäre, dann stünde
der leibhafte Shakespeare noch einmal da.
Ich glaube, es fehlt Raimund nicht sowohl an Bildung,
als an der Fähigkeit, sich eine Bildung zu nutze zu machen.
Andererseits merken seine Bewunderer nicht,
daß gerade dieser Zusammenstoß von geahnet-Poetischem
und gemein-Unkultiviertem es ist,
was den Hauptreiz von Raimunds Hervorbringungen ausmacht.
Das Barocke ist sein Verdienst, aber sein großes Verdienst.